Es ist bekannt und mittlerweile kein Geheimnis, dass es um unsere Vorstände nicht sonderlich gut bestellt ist im Hinblick auf die eigene Digitalkompetenz. Es herrschen immer noch Seilschaften innerhalb, dem gemeinen Fußvolk verschlossenen Gruppierung von Vorständen und Aufsichtsräten. Jeder kennt Jeden und man hilft sich gerne. Doch wie ist es um den Aufsichtsrat hinsichtlich der eigenen Digitalkompetenz bestellt? Hat Dieser die erforderliche Digitalkompetenz um seine originäre Aufgabe als Kontrollgremium nachzukommen?

Dabei sollte es auch erlaubt sein, die Frage zu stellen, was ist, wenn der Aufsichtsrat diese Kompetenz nicht hat?

Werden nicht nur durch den Vorstand digitale Entwicklungen verhindert, sondern auch durch den Aufsichtsrat? Können Vorstände und Aufsichtsräte in Deutschland mit der aktuellen Geschwindigkeit des digitalen Wandels mithalten? Ist es denn nicht so, dass Vorstände und Aufsichtsräte darüber Reden und Entscheiden als stände die Digitalisierung nur vor der Tür? Aber es ist aber allgemein bekannt, dass die Digitalisierung bereits im vollem Gange ist.

Wir sind mitten drin in der Digitalisierung.

Aktuell mögen bestehende Geschäftsmodelle noch nach bewährten Vorbild funktionieren. Doch was passiert, wenn die „OldEconomy“ nicht mehr die Masse der Kunden stellt, sondern die neue und zukünftige Genration Y? Sind die aktuell vorhandenen Geschäftsmodelle darauf ausgerichtet? Will diese Generation Y Dinge/Produkte Besitzen und dafür verantwortlich sein? Nein, Sie wollen Dinge nutzen, sobald diese gebraucht werden – Shared Economy. Wollen Mitarbeiter jeden Morgen mit öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit fahren oder wollen Sie lieber einen mobilen Arbeitsplatz und entsprechende Voraussetzungen die Ihnen diese Art der Arbeit ermöglicht. Legt die Generation Y auch ein größeres Umweltbewusstsein an den Tag und fordert hier mehr Nachhaltigkeit? Macht es in diesem Umfeld noch Sinn auf den Verbrennungsmotor beim PKW zu setzen? Am Beispiel der Automobilindustrie kann man sehr leicht erkennen, dass die Veränderungen zu zaghaft umgesetzt werden. Deutschland ist das Land von Ingenieuren. Hier liegt auch gleichzeitig die Tragik. Während in der deutschen Automobilindustrie noch an Schalter, Kippschalter, Drehrädchen und sonstige Elementen entwickelt wird, hat man in den USA bereits auf die Zukunft gebaut.

Es ist einfacher, schneller, kostengünstiger ein Schaltelement als Software zu designen und auf einem großen 17 Zoll Monitor zu positionieren. Software ist die Zukunft, so wie bei Tesla. Alles wird über ein zentralen Touchmonitor geregelt. Alles ist Software. Alles ist Digital. Die Zukunft ist Digital. Auch hier sollte man nicht vergessen, dass Tesla Motors Inc. 2003 gegründet wurde. Seitdem hat dieses Unternehmen weltweit eine Diskussion und eine Veränderung in einer sehr stabilen Branche entfacht. Nicht, dass dieses Unternehmen eine gewaltige Veränderung hinsichtlich der Nutzung von Elektroautos gestartet hat, sondern, die Autos werden auch noch verkauft, so dass in 2015 ein Umsatz von über 4 Mrd. US Dollar erzielt wurde. Umsatz und Anzahl Modelle steigen, wenn auch gleich die enormen Investitionen noch zu bewerkstelligen sind.

Wenn in Betracht gezogen wird, dass in den USA jährlich ca. 100.000 Start-Ups sich neu finden und den digitalen Wandel vorantreiben wollen, kommen wir in Deutschland gerade mal auf 5.000 Start-Ups. 2007 wurde das erste Smartphone der Öffentlichkeit vorgestellt und im Jahre 2016 hat Google festgelegt, dass mobile Browsing höher zu bewerten ist als per Desktop. Der hauseigene Algorithmus wurde daraufhin geändert. Alle Webseiten, die sich nicht ordentlich auf einem mobilen Device darstellen lassen, werden im Google Ranking heruntergestuft.  Im Jahre 2007 existierten folgende Unternehmen noch nicht einmal und sind heute Unternehmen mit 3-stelligen Millionenumsätzen. Uber wurde 2009 gegründet (über 200 Mio. Dollar Umsatz in 2015), Airbnb im Jahre 2008. Spotify wurde 2006 gegründet und machte 2015 fast 2. Mrd. Dollar Umsatz und das innerhalb von 9 Jahren seit Gründung.

Was ist in der Zwischenzeit bei uns in Deutschland passiert?

Zalando wurde 2008 gegründet und gilt mit einem Umsatz von fast 3 Mrd. Euro als das einzige Aushängeschild der deutschen Digitalisierung. Neckermann meldete 2012 Insolvenz an, da dieses Unternehmen die Digitalisierung komplett verschlafen hatte. Neckermann hatte keine Antwort auf Amazon in Deutschland. Aktuell macht amazon.de in Deutschland fast ein Viertel des gesamten deutschen Onlineversandhandel aus.

Wem ist hier die Schuld zu zuweisen? Hat unter anderem ein Aufsichtsrat als Kontrollgremium versagt, oder konnten dieser nicht anders handeln, weil die es nicht besser wussten.

Muss bei Aufsichtsräten ebenfalls ein Umdenken hinsichtlich der Digitalsierung stattfinden?

Hat ein Kontrollgremium nicht auch die Pflicht ein Umdenken herbeizuführen? Da dieses Gremium nicht in einem Tagesgeschäft integriert ist hätten Sie die Zeit und auch den notwendigen Abstand, sich um digitale Technologytrends zu erkundigen. Persönlich sehe ich dieses Gremium als eher unterentwickelt und großen Handlungsbedarf im Hinblick auf ihre Digitalkompetenz.

Daher lautet mein Vorschlag. Überprüfung des Aufsichtsrats auf Digital-Kompetenz (vorzugsweise ergänzen um Mitglieder die als Digital Natives bekannt sind). Aufforderung des Vorstands zur Darlegung einer Strategie mit dem Umgang der Digitalisierung durch den Aufsichtsrat. Als ein Ergebnis kann die Etablierung eines CDOs (Chief Digital Officer) sein. Hier muss die Zielsetzung und der damit verbundene Nutzen genau definiert sein. Kernaufgabe kann sein, dass dieser CDO die Aufgabe übernimmt die Digitale Transformation im Unternehmen zu definieren und verantwortlich zeigt. Was als einzelne Person so nicht zu bewerkstelligen ist. Hierzu benötigt es ein Team und eine enge Verzahnung zwischen den anderen Vorstandskollegen (CEO, CFO, Human Ressources, CIO/CTO).

Jetzt könnte man sich selber fragen: „Warum haben Google, Facebook und Amazon keinen CDO? Warum brauchen wir Einen?“ Die Antwort ist so einfach wie die Fragestellung. Sie sind die Digitalisierung. Diese Firmen haben keine Vergangenheit bei der es noch keine Digitalisierung gab. Somit ist die Grundlage für eine Transformation (Überführung von einem alten Zustand in einen neuen Zustand) nicht gegeben.